Besuch in der Orangerie Drei, der geschlossenen Jugendpsychiatrie in Ettelbrück

„Ich habe mein Ventil noch nicht gefunden“

Photo: Sven Becker
d'Lëtzebuerger Land du 13.02.2026

Am Dienstagmorgen steht ein junges Mädchen mit Zopf, Teenager-Akne und Adidas-Pullover am großen Glasfenster vor dem Personalraum der Orangerie Drei des Centre Hospitalier Neuro-Psychiatrique (CHNP), der geschlossenen Jugendpsychiatrie. Sie sucht die Aufmerksamkeit der Krankenschwester, schlurft müde und lustlos umher. Sie habe Kopfschmerzen, sagt sie, als ihr die Tür geöffnet wird. Lynn Ries, Stationsleiterin und psychiatrische Krankenschwester, holt einen großen Kasten Aromatherapie-Öle. Sie ruft: „Zuviel schlafen ist kontraproduktiv. Und wenn du nicht genug trinkst, bringt das eh alles nichts.“ Sie gibt dem Mädchen ein Fläschchen Öl, damit es sich ein paar Tropfen an die Schläfen tupft, dann schließt sie die Tür. Gegenüber im Aufenthaltsraum liegt ein Jugendlicher auf der Bank und blickt in die Leere. Vor ihm ein ausgeschalteter Fernseher, hinter ihm die waldigen Hügel der Ettelbrücker Umgebung; Nebel und Nieselregen.

„Heute sind sie nicht gut drauf“, sagt Lynn Ries und räumt die Ordner auf dem Tisch, „es herrscht viel Frust“. Rechts hängt ein Organigramm mit den Namen* der 14 Jugendlichen, die zur Zeit hier mehrere Monate therapiert werden. Ihr Tages- und Wochenablauf ist minutiös darauf ausgerichtet: Meist ist der Morgen für ein paar Unterrichtseinheiten in der internen Schule vorgesehen, für Ergo-, Tanz- und Psychotherapie oder Entspannungstechnik, dann wird zu Mittag gegessen, danach heißt es Frei- und Zimmerzeit. Drogen-Screenings und Medikamente stehen ebenfalls auf dem Plan. Manchmal kommt Besuch von den Eltern.

Die Orangerie Drei verfügt über 14 Betten, zwei davon für akute Notfälle. Ab zwölf und bis 18, können junge Menschen hier aufgenommen werden – der Aufenthalt soll zwischen drei und sechs Monaten liegen. Anne-Sophie Wenger, Jugendpsychiaterin, ist heute Morgen mit Lynn Ries zuständig. „Auf der Station ist immer etwas los.“ Man müsse flexibel sein, sich anpassen. Das Team tauscht sich kurz aus, eine weitere Pflegerin kommt und schaut sich den Tagesplan einer Patientin an. Sandra muss bald zur Tanztherapie, stellt sie fest.

Lynn Ries hat die Ausstrahlung einer Erzieherin; eine, die alles trägt. Sie trägt einen Pullover auf dem „Slow Vibes only“ steht und Nasenpiercing. Auf einem Kasten steht ein Kistchen mit einem „Ersatznerv“, in der Ecke befindet sich ein Bildschirm mit Kameras, die die Flure und die Akutzimmer abfilmen. Insgesamt 26 Personen kümmern sich um die Patienten: Sozialarbeiter, Psychiater/innen, ein Ergotherapeut und Krankenpfleger. Auch nachts sind zwei Personen anwesend. „Der Vorteil bei Jugendlichen ist: Wenn sie schlafen, dann schlafen sie richtig“, sagt Lynn Ries.

An den Wänden der Station hängen Poster mit Kieselsteinen und farbfrohen Blüten. Auf anderen steht „Say no to Racism“ und „This is a new beginning“. Sandra hat sich bereit erklärt, mit uns zu reden. Kurzes Haar, 17 Jahre alt, schwarzer Jogginganzug, wacher Blick. Ihr gehe es gut, sagt sie auf Nachfrage. Wir sitzen in einem Raum, der für Ergotherapie genutzt wird. Die Wände zieren Bilder, die die Patienten gemalt haben. In einer Ecke steht eins mit den Worten: „Ich sage, was ich tue, dann tue ich, was ich sage.“ Sandra war drogenabhängig, „vor allem von Medikamenten“. „Ich dachte immer, sowas würde nur anderen passieren.“ Es geht ihr besser, seitdem sie hier ist. Kontakt zu ihrer Mutter hat sie nicht, zum Vater darf sie derzeit jedes Wochenende. (Halten sich die Jugendlichen nicht an Regeln, werden Privilegien wie Ausgänge oder Süßigkeiten zurückgezogen.) Richtige Freundschaften schließe man hier nicht, sagt sie. „Wir teilen nicht dieselben Werte. Sie sind zu gangster – das kann man nicht romantisieren.“ Besonders anstrengend findet sie die lange Zimmerzeit. Anderthalb Stunden verbringen die Jugendlichen am Nachmittag in ihren Zimmern, um runterzukommen. „Wenn ich zu lange mit mir alleine bin, kommen schädliche Gedanken auf.“ Derzeit ist Sandra clean. Allerspätestens im Sommer, wenn sie volljährig wird, wird sie die Orangerie verlassen. Sie freut sich, wieder machen zu können, was sie will. Sie möchte zurück in die Schule und sich einen Sommerjob suchen, um etwas Geld zu verdienen.

Die Entlassung ist ein sensibler Moment. Nach einer für Jugendliche langen Zeit in einem geschützten Raum werden sie wieder in die Gesellschaft, in die Realität verabschiedet. „Die Zeitspanne eines Aufenthalts von drei bis sechs Monaten funktioniert immer weniger. Die Jugendlichen bleiben länger, weil wir Schwierigkeiten haben, sie nach ihrem Aufenthalt weiterzuvermitteln“, sagt Lynn Ries. Es dauert Monate, um einen geeigneten Platz zu finden. Die Bürokratie ist langwierig, ein Haufen Zeit geht verloren. Meist ist die Orangerie Drei nicht die erste Station in der Krankenakte der Patienten. Viele, die in der geschlossenen Jugendpsychiatrie landen, sind mit dem Gesetz in Konflikt geraten und waren in Schrassig oder Dreiborn. Meist wurden sie bereits psychiatrisch behandelt.

Sie zeigen Störungen des Sozialverhaltens auf, erklärt Anne-Sophie Wenger. Es handelt sich dabei um Regelüberschreitungen, Probleme bei der Emotionsregulation, kriminelle Aktivitäten, körperliche Auseinandersetzungen, Drogenkonsum. „Es gibt nur wenige, die kein Cannabis konsumieren.“ Wenn die Jugendlichen entlassen werden, ist das Risiko in Luxemburg groß, wieder an die alten Kontakte zu geraten, in genau jenes Umfeld, das sie nicht bei positiven Veränderungen unterstützt. „Hier neu anzufangen, sich neu zu erfinden, funktioniert nicht. Auch deshalb kann es sinnvoll sein, ins Ausland zu gehen.“ Sogenannte Systemsprenger, für die sich nach mehreren Jahren der Probleme kaum mehr Perspektiven ergeben, gibt es regelmäßig. Sie beeinflussen die Dynamik der gesamten Gruppe. „Wenn wir nicht mehr viel erreichen können, sind unsere Optionen eingeschränkt. Manchmal bleibt nichts anderes, als die Therapie fallen zu lassen“, sagt Anne-Sophie Wenger. „Wenn jemand gar nicht mitmacht, keine compliance zeigt, völlig aggressiv ist und das Personal bedroht, wir jedoch das Sorgerecht haben, dann hänke mer“, sagt Lynn Ries. Ein Minderjähriger muss ein Zuhause haben. „Wir können sie nur da auffangen, wo sie sind.“ Die langen Wartezeiten sind für die Jugendlichen schwer erträglich, denn auch jene, die sich Mühe geben und viele Fortschritte machen, müssen eine Menge Geduld mitbringen.

2006 wurde die geschlossene Jugendpsychiatrie des CHNP eingeweiht – bis dahin gab es hierzulande kein stationäres Langzeit-Angebot für Minderjährige. Die Krankenhäuser haben sich mittlerweile breiter aufgestellt: Für kürzere sta-
tionäre Behandlungen gibt es den Service national de psychiatrie juvénile (SNPJ) in Kirchberg; in Putscheid hat das CHNP einen Bauernhof in ein kleines stationäres Therapiezentrum verwandelt; in acht Tagen öffnet eine Tagesklinik für psychisch kranke junge Menschen im Centre Hospitalier du Nord (CHDN). Doch der Bedarf ist weitaus größer als das Angebot. „Das System ist völlig übersättigt“, sagt Lynn Ries. Außerdem müsse viel mehr multidisziplinär gearbeitet, die Heime stärker in die therapeutischen Prozesse einbezogen werden. Insbesondere im Feld der Transitionspsychiatrie, für junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren, fehlt es weiter an Angeboten.

„Am liebsten wäre mir, wenn wir hier zwei Jugendliche behandeln könnten. Und dann die nächsten zwei. Doch das ist unrealistisch“, erklärt Anne Sophie Wenger. Lynn Ries und Anne-Sophie Wenger wirken empathisch und aufrichtig bemüht. Der Regelkatalog für die Jugendlichen umfasst Respekt, Pünktlichkeit, am Tagesablauf teilnehmen, keine Gewalt und kein Körperkontakt zwischen den Patienten. „Wir bemühen uns, sexuelle Handlungen zu unterdrücken. In der Pubertät erwacht die Sexualität, doch hier leben Opfer von sexuellem Missbrauch, die Grenzüberschreitungen kaum erkennen können“, sagt Lynn Ries. Auf dem Flur sind die Zimmer der Jungs von jenen der Mädchen getrennt. Funktioniert’s? Die beiden lachen. „Meistens schon.“

Die Jugendlichen sollen lernen, ihre Verhaltensweisen zu erweitern. Sich fragen, wie sie in für sie brenzligen Situationen anders reagieren können. Sich ein „Skillset“ aneignen, mit dem sie beispielsweise mit Wut besser umgehen können. Allen voran DBT, dialektische Verhaltenstherapie, hat sich für Emotionsregulierung bewährt und wird auch bei Borderline-Persönlichkeitsstörungen eingesetzt. Lediglich ein Viertel der Patienten nimmt derzeit Psychopharmaka. Priorität ist, zu schauen, wie sie ohne Medikamente drauf sind.

Die Fenster in der Orangerie Drei sind alle mit einem Schlüssel abgeschlossen. Lediglich die kleinen oberen Fenster kann man kippen. Im Gemeinschaftsraum sind fast alle Gegenstände an den Boden geschraubt, um zu vermeiden, dass Schlimmeres passiert, falls es eine Krise gibt. Dass jemand zum Beispiel den Kicker umwirft, wie das kürzlich der Fall war. Das Personal, das hier arbeitet, ist mit einem Alarmsystem ausgestattet. Wird Alarm ausgelöst, kommt Unterstützung aus den anderen Stockwerken des CHNP gelaufen. Worst case scenario. Meist wird durch Gespräche deeskaliert.

Kevin hat Locken und grüne Augen. Er wirkt niedergeschlagen. Er ist 16 und seit fünf Monaten in der Orangerie Drei. „Es ging mir schon mal besser“, sagt er. Es gebe viele Streitereien in der Gruppe, es werde gelästert. Hier zu sein, empfindet er als schwierig – trotzdem erkennt er Vorteile. Er berichtet selbstreflektiert über seinen Werdegang. Seine Mutter ist gestorben, als er neun Jahre alt war. Eine richtige Bindung hatte er zu ihr nicht; seinen Vater kennt er nicht. Der Stiefvater verlor vor geraumer Zeit das Sorgerecht für seinen Stiefsohn, weil Kevin kriminell wurde. „Dabei hatte er viel dafür gekämpft.“ Im Heim kam keine Verbesserung, Kevin konsumierte immer mehr Cannabis. Regeln zu befolgen, fällt ihm schwer. Nachdem er auf dem Areal des CHNP Zigaretten geraucht hat, wurde ihm ein Ausgang gestrichen. Er tickte aus, bedrohte den Krankenpfleger. Momentan darf er gar nicht mehr raus. „Ich habe mein Ventil noch nicht gefunden.“ Für Kevin wird derzeit ein Auslandsaufenthalt im Süden Europas geplant. „Ich habe die Disziplin nicht, mich aus dem Milieu zu entfernen. Ich lasse mich mitreißen.“ Doch er hat eine Perspektive. „Ich hoffe, dass die zehn Monate, die ich hier vielleicht verbringen werde, in zehn Jahren nicht umsonst waren.“ Kevin möchte seine Schule im Ausland abschließen, vielleicht Sozialarbeiter oder Erzieher werden. Ein Mensch werden, zu dem Jugendliche wie er später aufblicken.

Während der Adoleszenz kommt es zur langsamen Abnabelung von den Eltern, mitunter zur Rebellion. Im Gehirn vollzieht sich Großes, es verwandelt sich von einem Kindesgehirn in ein erwachsenes. Impulsivität nimmt zu, ebenso wie Schwarz-Weiß-Denken. Beides ähnelt Symptomen einer Borderline-Störung – ist aber meist eine Übergangsphase. Für Familien ist das keine einfache Zeit. Grenzüberschreitungen stellen Eltern vor die Herausforderung, mehr Freiheit zu gewähren und ihre Kinder gleichzeitig weiter zu begleiten. Die Eltern sollen einerseits immer da sein, andererseits werden sie fortan ignoriert, ausgeschlossen, zum Feind erklärt.

In einem kleinen Raum der Station befindet sich die interne Schule. Es sieht einigermaßen schulisch aus: Bücher, Schreibtische und Computer, eine Europakarte an der Wand. (Schrittweise kann als Teil der Therapie eine Integration in die externe Schule erfolgen.) Dora ist 14 und schreibt in ein Heft. Neben ihr sitzt Kevin. Ein weiterer Jugendlicher malt ein Manga aus. Die Einheiten werden ganz individuell angepasst, erklärt Tullio Forgiarini, Geschichtslehrer und Autor. Dora ist 14 und seit fünf Monaten hier. Sie vermeidet den Blickkontakt. Sie lebt seit April vergangenen Jahres in einem Heim, nachdem sie zu viel mit ihrer Mutter gestritten hatte, erzählt sie. Sie lief öfter aus dem Heim weg, „um meine Mutter zu nerven“, hatte Suizidgedanken und nahm Cannabis und Ecstasy. In der Schule sei sie gemobbt, im Heim geschlagen worden. Ihre Mutter besucht sie hier, doch besonders gut kommen die beiden nicht zurecht. Vor zwei Monaten lief Dora bei einem Ausgang davon, das Team der Orangerie musste die Polizei rufen. Sie schaffte es bis nach Luxemburg-Stadt. Sie will hier raus, erklärt sie. Wohin? „Wieder zurück ins Heim.“ Am besten gefallen ihr in der Orangerie die Entspannungsübungen und das therapeutische Kochen drei Mal in der Woche. Kniddelen sind ihr Lieblingsgericht.

In den Geschichten der Patienten der Orangerie Drei, mit denen das Land sprechen konnte, scheinen Erwachsene zu fehlen, die in jungen Jahren eine Vorbildfunktion einnehmen konnten, und deren Autorität die Jugendlichen in der Umbruchszeit akzeptieren. Hinzu kommen oft schwerwiegende Traumata. „Jeder hier hat auf seine Weise Traumatisches erlebt“, berichtet Lynn Ries. Die geschlossene Jugendpsychiatrie ist ein geschützter Raum, ein Kokon, in dem die jungen Menschen zwar von Anfang an Besuch empfangen und Kontakt zur Außenwelt haben können, aber abgeschottet sind, um zur Ruhe zu kommen. Erst nachdem sie sich stabilisiert haben, können sie vom Ausgang profitieren: Zuerst in Begleitung, etwa der Erziehungsberechtigten, für eine halbe Stunde. Maximal eine Stunde beträgt der Ausgang, die Jugendlichen dürfen das Areal des CHNP alleine nicht verlassen. In dieser Zeit können sie ihr Handy nutzen – auf der Station nicht. Die Jugendlichen fangen dann wieder an zu malen und zu lesen, zum Teil dicke englische Bücher, erzählt das Stationsteam. Doch die sofortige Genugtuung des Smartphones habe sich auf ihr Verhalten ausgewirkt, sagt Lynn Ries, die seit zwölf Jahren auf der Station arbeitet. Sie könnten sich weniger mit sich selbst beschäftigen – und erwarteten eine Wunderlösung, ein Swipe, und alles werde gut. „Sie haben das Gefühl der Selbstwirksamkeit verloren“, sagt Anne-Sophie Wenger. Sie beobachtet einen Mangel an Durchhaltevermögen und an Bewusstsein, was diese Probleme für ihre Zukunft bedeuten.

„Den Freiheitsentzug empfinden sie zu Beginn immer als Strafe“, sagt Lynn Ries. Denn freiwillig kommen die wenigsten – momentan sind es drei. Bei akuter Gefahr für Minderjährige entzieht der Jugendrichter den Erziehungsberechtigten das Sorgerecht; es geht meist ans Heim, das den Jugendlichen aufnimmt. „Wenn es erstmal weg ist, kriegen die Eltern das Sorgerecht nicht so einfach zurück“, sagt Lynn Ries. Wenn es therapeutisch geboten scheint, weist das Gericht die Jugendlichen in die Orangerie Drei ein. In zwei Fällen hat das Krankenhaus derzeit das Sorgerecht über die Patienten. In seinem Jahresbericht schreibt der Ombudsman für Kinder und Jugendliche (Okaju) über die sich dramatisch verschlechternde mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Heimen. Für sie gibt es öfter niemand mehr außerhalb der Institutionen, der sich kümmert – oder kümmern kann. Keine der Jugendlichen, die im Moment in der Orangerie Drei sind, hat eine intakte Familie. „Die Eltern arbeiten mitunter extrem gegeneinander“, berichtet Anne-Sophie Wenger. Trotzdem soll die Familie, wenn möglich, Teil des Therapieprozesses sein.

Es klopft an der gläsernen Tür des Personalbereichs. „Ich habe gestern überhaupt nichts verstanden, als mir erklärt wurde, warum ich hier bin“, sagt ein Junge mit Kurzhaarfrisur zum Sozialarbeiter. „Sollen wir kurz reden?“, entgegnet dieser. Die beiden ziehen sich in einen Raum zurück. Im Gemeinschaftsraum wird Pingpong gespielt, bevor das Mittagessen aufgetischt wird: Hähnchen mit Paprikasoße, eine Suppe, Fruchtjoghurt. Fast alle Jugendlichen sitzen an Einzeltischen, es wird kaum gesprochen.

Wer mit diesen jungen Menschen arbeitet, stellt Verbindungen zu ihnen her. Die nötige Empathie zu haben, Rückschläge gleichzeitig nicht persönlich zu nehmen, ist Teil des Jobs. „Wenn wir hier vor Mitleid über die schlimme Kindheit zerfließen, bringt ihnen das nichts“, sagt Anne-Sophie Wenger. Trotzdem gehen manche Schicksale einem besonders nah. Und manchmal sieht Lynn Ries Jahre später Todesanzeigen. Sie erinnert sich auch an Erfolgserlebnisse: Wenn aus dem Nichts eine ehemalige Patientin klingelt und mit zwei Kindern vor der Tür steht, erzählt, sie sei Erzieherin geworden. Und sich für die Unterstützung damals bedankt. p

Note de bas de page

*Alle Namen der Jugendlichen wurden von der Redaktion geändert

Sarah Pepin
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