Menstruationskleidung, Werbeanzeigen rund um Hygieneartikel und misogyne Vorurteile. In der Ausstellung Et leeft im Lëtzebuerg City Museum dreht sich alles um die Menstruation

Profis bluten nicht?!

Rund 300 historische und zeitgenössische Objekte rund um Menstruation versammelt die Schau
Photo: Christof Weber
d'Lëtzebuerger Land du 07.11.2025

Das Plakat springt einem ins Auge: eine weiße Slipeinlage, auf der der Titel in blutroten Lettern einsickert, kündigt die Ausstellung an. Et leeft. Die Ausstellung zur Menstruation läuft aktuell im Lëtzebuerg City Museum. Und damit eine Schau, die mit einem unbequemen Thema lockt. Denn sie dreht sich in rund 300 Exponaten um die Menstruation, die öffentlich lange als peinliche Frauensache und Privatangelegenheit galt.

Rund dreieinhalb Milliarden Menschen menstruieren, hatten ihre Periode oder werden sie bekommen. Trotzdem wird der weibliche Zyklus nach wie vor in weiten Teilen der Gesellschaft(en) und auch in der sich als progressiv wähnenden westlichen Welt herablassend, mitleidig oder gar höhnisch betrachtet. Frauenfeindliche, misogyne Stereotype halten sich hartnäckig: „Die ist launisch und hat bestimmt ihre Tage!“

Aus Menstruationsblut gemaltes Trump-Porträt

Am Ende des Rundgangs, bei dem Mensch sich wie meist bei den Ausstellungen im Luxemburger Stadtmuseum von der Fülle der Exponate etwas erschlagen fühlt, dann die hässliche Fratze von Donald Trump. Die Künstlerin Sarah Levy hat mit Menstruationsblut ein Porträt des US-amerikanischen Präsidenten, gemalt. Whatever (Bloody Trump, 2015) zeigt den unberechenbaren Schreihals in bekannter Mimik, wie er das Maul aufreißt. Levy hat das Porträt gemalt, nachdem der von den Fragen der Journalistin überforderte Trump die Kompetenz einer Moderatorin (Megyn Kelly) in einem Interview 2015 anzweifelte und behauptete, sie habe wohl gerade ihre Menstruation.

Rund 300 historische und aktuelle Objekte rund um Menstruation versammelt die Schau, die sich aktuell über vier Ebenen im Lëtzebuerg City Museum erstreckt. „Schaubilder, Interviews und Hands-On-Stationen vermitteln interaktiv den aktuellen Wissenstand, während zahlreiche Film- und Musikfragmente sowie Kunst die Ausstellung abrunden“, liest man im begleitenden Flyer.

„Die Ausstellung wurde in weiten Teilen vom Museum Europäischer Kulturen – Staatliche Museen zu Berlin übernommen, dann aber zum Teil mit luxemburgischen Inhalten angereichert“, erläutert der Pressebeauftragte der Staater Museen, Boris Fuge. So stammen einige Exponate aus der Sammlung des Luxemburger Gynäkologen Henri Kugener.

In Berlin selbst wurde die Laufzeit der Ausstellung auf Grund ihres Erfolges verlängert, erzählt Fuge. Dabei handelt es sich um ein ethnografisches Museum und so nähert sich die Schau dem Thema denn auch in einer dezidiert ethnografischen Herangehensweise. Federführend war die stellvertretende Direktorin des Hauses, Dr. Jana Wittenzellner. Anne Hoffmann, Co-Kuratorin, hat die Ausstellung ausgewählt. Die luxemburgischen Exponate und Texte hat maßgeblich Sanja Simic sorgsam zusammengetragen. Der Auftrag für das Design ging, wie schon zuletzt die Gestaltung des luxemburgischen Stands auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, an Studio Polenta.

Ursprünglich war die Schau gar nicht als Wanderausstellung konzipiert. Mittlerweile hätten aber auch schon andere Museen Interesse bekundet, wie das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden. Am Anfang steht ein Bild blutender Partikel: Menstrual art von Jamin Mahmood wirkt erstaunlich greifbar und doch abstrakt wie eine Wassermalerei.

Einwegbinde aus Torfmoos

Der erste Teil der Ausstellung, den die Besucher/innen erreichen, indem sie sich durch einen roten Perlenketten-Vorhang schieben, beschäftigt sich mit Produkten, die Ende des 19. Jahrhunderts für menstruierende Menschen entwickelt wurden. Erst da seien Textiltechnik und Hygieneprodukte überhaupt spezifischer aufgekommen und auch die Textilien hätten sich nach und nach an die Bedürfnisse von Menstruierenden angepasst.

So stoßen die Besucher/innen etwa auf eine Einweg-Binde aus Torfmoos (um 1900) in einem Glaskasten sowie entsprechende Werbung für Moosbinden und ein Patent für eine Menstruationstasse; unförmige weiß-beige Unterwäsche hängt an den Wänden und kann zum Teil auch anprobiert werden. Die obligatorische Ecke für Selfies darf ja nicht fehlen.

Die ersten Tampon-Packung von o.b. (= ohne Binde), die auf Judith Esser, die verantwortliche Ärztin hinter o.b. verweisen, tragen noch in Kursivschrift den Titel Die Menstruationshygiene; die ersten Wegwerfbinden wirken altmodisch und heißen zum Beispiel Camelia. Ein elastischer Bindegürtel wirkt in seiner Retro-Ästhetik fast wie ein String-Tanga aus der Abteilung Sado-Maso-Spiele, erweist sich bei genauer Betrachtung aber vor allem als umständlich, denn in den von Mary Kenner erfundenen Gürtel musste die Binde noch per Netzschlauch in die Ösen eingehakt werden, während das Luxemburger Modell seiner Zeit Knöpfe hatte.

Die ersten Werbeanzeigen für O.b.s und Damenbinden wirken in ihrer Ästhetik wie von Männern entwickelte Aufnahmen von Soft-Pornos, in denen die Frauen kokett in Reiz-Unterwäsche abgelichtet sind. Die anzüglich beworbenen Produkte werden mit Aufschriften wie „Die selbst-sichere“ beworben. Ein Menstruationsschwämmchen fällt aus dem Rahmen. In der Zeitleiste taucht 2000 die Menstruationstasse „Mooncup“ auf. Unterwäschemodelle fordern in der Ausstellung zum Anfassen auf. In der Spalte „Free bleeding“ werden Menstruierende zum kontrollierten Ablassen von Menstruationsblut eingeladen.

Auf einer weiteren Ebene finden sich auf Papp-Tafeln zum Umdrehen Fragen. Beim Umblättern erhalten die Besucher/innen auf Deutsch, Französisch und Englisch Antworten auf Fragestellungen wie „Wann findet der Eisprung statt?“ oder „Ist ein normaler Zyklus vier Wochen lang?“ An Schaubildern, die an den Biologieunterricht erinnern, werden Gebärmutter und Uterus veranschaulicht. In einem weiteren Raum ist ein Interview mit der Gynäkologin und Reproduktionsmedizinerin Julia Bartley zu sehen. Im nächsten Raum schreckt einen das schwarz-weiß-Foto eines Gynäkologenkongresses (1911) ab, wo unter einer Masse von Männern nur eine Frau zu sehen ist. An einer Tafel erfahren die Besucher/innen, dass selbst angesehene Ärzte, wie etwa Schauta und Bumm Frauen wegen ihrer Periode „generell als krank“ einstuften.

An kleinen Stationen wird über allgemein verbreitete Irrtümer und Verschwörungstheorien rund um die Menstruation aufgeklärt, wie die, dass „Menstruieren irre ist“, illustriert durch Forschungsliteratur, wie die der Psychosis Menstrualis, eine klinisch-forensische Studie, von 1902. Frauen als psychisch krank oder hysterisch zu pathologisieren, ist eine jahrtausendalte, insbesondere männliche, Tradition.

Kostbare Daten

Im Raum 45 sind an den Wänden handschriftliche Menstruationskalender und Notizen ausgestellt. Seit Jahrzehnten werden Menstruierende dazu angehalten, ihre Periode zu beobachten und genau zu dokumentieren. Und während frühe Menstruationskalender nur Datum und Dauer erfassen, erfragen Apps heute wesentlich mehr, von Blutmengen bis Blähungen. Der Preis der Selbstvermessung und freiwilligen Datenpreisgabe ist vielen noch nicht klar. So warnt die Ausstellung im begleitenden Text: „Forschende und Behörden interessieren sich dafür, aber auch Unternehmen, die viel Geld dafür ausgeben.“

Der Verweis auf die Luxemburger Proteste gegen eine „Luxussteuer“ darf nicht fehlen. So wird in einem der letzten Räume auf die Petition von 2016 für billigere Periodenprodukte hingewiesen. Die Gambia-II-Regierung sollte die Mehrwertsteuer 2019 senken.

Im vierten Stock lesen die Besucher/innen im Kapitel „Sauber und diskret“, dass nach der Historikerin Sherra Vostral aus den USA alle Menstruationsprodukte dem alleinigen Zweck dienten, Menstruierenden dazu zu (ver-)helfen, als „nicht-menstruierende Person“ durchzugehen. Denn misogyne Vorstellungen halten sich über die Jahrtausende: ein sichtbarer Blutfleck gilt als Super-Gau der Peinlichkeit. Werbungen für Tampax und ähnliches versprachen daher von Anbeginn Sauberkeit und Diskretion.

Dass sich Aberglauben und Esoterik rund um Menstruierende über die Jahrtausende gehalten haben, davon zeugen Kröten aus Eisen in einem Glaskasten.

Aber auch, dass Menstruation längst zum Milliardengeschäft geworden ist, liest man in der weitläufigen Schau. An den teuren Hygieneartikeln verdient die Werbebranche wie die Industrie. Viele Menschen an der Armutsgrenze können sich Periodenprodukte nicht mehr leisten. In der Schau ist so das Buch Protest gegen die Luxussteuer: The Tampon Book, herausgegeben von The Female Company, Berlin, 2019 zu sehen. Und auch auf das Problem des Menstruationsmülls wird gen Ende des Rundgangs verwiesen. Mehr als 500.000 Tonnen Müll entstünden in Europa jährlich durch Menstruationsabfall.

An einer Tafel werden von Besucher/innen mehrsprachig Ausdrücke zusammengetragen: „D‘Kirmes ass am Duerf“, „Ich surfe auf der roten Welle“ oder „La puta regla“ ist dort zu lesen.

#MenstruationMatters

Demoplakate vom Weltfrauentag zeugen in der Ausstellung von Forderungen wie „Period Dignity“, ein Menstruieren in Würde für alle. Im letzten Kapitel „Menstruation in Kunst und Popkultur“ wird in peppigen Bildern darauf hingewiesen, dass selbst die Popkultur lange Klischees rund um die Periode reproduzierte. Künstler/innen, Regisseurinnen, Musiker/innen und Performer/innen trügen aber sukzessive kreativ dazu bei, die Erfahrungen sichtbar zu machen und die Klischees zu brechen.

So ist in der Schau etwa auch das Foto der Läuferin Kiran Gandhi mit klar sichtbaren Menstruationsblutflecken auf ihren Leggings zu sehen: ein Bild, das seiner Zeit um die Welt ging. Gandhi sprach sich damit explizit gegen „Period-Shaming“ aus. Sie lief für ihre Schwestern, die die Periode versteckten und sich ihrer schämten, gab sie später zu Protokoll.

Die Ausstellung ist sehr technisch, streckenweise interessant und unterhaltsam, mitunter sinnlich und didaktisch gut umgesetzt. Davon, dass viele junge Menschen das Thema ernst nehmen und sich ernsthaft von der Umsetzung angesprochen gefühlt haben, zeugen die abschließenden Kommentare an einem Board im letzten Raum, die in mehreren Sprachen manchmal emotional aber für partizipative Besucher/innen-Statements verhältnismäßig wenig verrückt ausgefallen sind. Themen wie die „Perimeno-“ und „Menopause“ kommen in der Schau etwas zu kurz.

Möglicherweise schafft es diese Ausstellung im Herzen der Hauptstadt jedoch tatsächlich, Menschen zu diesem Thema in Gespräche zu verwickeln. Ob damit dann gleich ein Tabu fällt oder das Tabuisierte doch eher seine Form wandelt, ist eine andere Frage. Das wäre vielleicht auch noch eine Dimension gewesen, die die Ausstellung hätte stärker aufgreifen können: Einem vermeintlichen öffentlichen Tabu stehen ja meist Fachdiskurse oder Nischendiskurse medizinischer ode religiöser Natur gegenüber, die genau um dieses „Tabu“ kreisen ... Solche Diskurse werden in Et leeft jedoch allenfalls angerissen.

Bei aller didaktisch gelungenen klassischen Aufklärungsarbeit, die diese Schau leistet, bleibt zudem ein Gedanke zurück: Am Ende ist jede Menstruierende für sich allein, jedenfalls mit der damit verbundenen Anspannung, den Schmerzen, den hormonellen Schwankungen ... und bleibt doch meist unverstanden.

„Et leeft“. Die Ausstellung zur Menstruation ist noch bis zum 19. Juli 2026 im Lëtzebuerg City Museum zu sehen. Weitere Informationen unter: citymuseum.lu

Anina Valle Thiele
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